Earth Day und Earth Week: Weltweite Aktionen zum Schutz unserer Umwelt
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Eine "neue Denkschule" für die Erneuerbaren Energien

Umfassende Kenntnisse über die Chancen der Erneuerbaren Energien müssen schon von Kindheit an gelernt werden, fordert Earth Day Präsident Thomas Dannenmann im Interview mit Earth Day Press. Deshalb startet die Umweltaktion jetzt ihr Earth Day Projekt für Erneuerbare Energien unter dem Motto: "Neues Denken mit Sonne, Wind und Mehr!". Earth Day Press befragte den Präsidenten zu den Motiven und Mechanismen die hinter dem Projekt stehen und zu den Projektphasen.

 
Earth Day Press: Sie sind Präsident der weltweit tätigen Umweltbewegung Earth Day International in Deutschland. Was verbirgt sich dahinter?
Dannenmann: Mit Stolz darf sich Earth Day die älteste Umweltbewegung der Erde nennen. Vor 39 Jahren aus einer Studentenbewegung in den USA entstanden, sind wir heute weltweit in 180 Ländern der Welt umweltaktiv. Zentraler Aktionstag ist immer der 22. April. Als die Earth Day Bewegung in Deutschland im Jahr 1993 entstand, ging es vor allem um die Bilanzierung der Umweltziele der Agenda 21, die auf dem UN Erd - Gipfel in Rio de Janeiro im Juni 1992 von 178 Staaten der Welt verabschiedet wurde. Diese Agenda 21, die auch Bestandteil unserer Vereinssatzung ist, und später auf dem UN Gipfel in Johannesburg rechtskräftig vereinbart wurde, spricht mit ihren 40 Kapiteln alle wesentlichen Politikbereiche einer umweltverträglichen, nachhaltigen Entwicklung an. Wir sagen, dass sich heute Keiner der Verantwortung für die Umweltprobleme entziehen kann. Erst die eigene Initiative bewirkt Veränderungen und setzt sichtbare Zeichen. Mit unserem diesjährigen kompromisslosen Motto: "Wir wollen nachhaltig leben, wir haben keine Zeit zu verlieren", wollen wir vor allem entschieden dem Klimawandel entgegentreten durch Aktionen für die rasante Entwicklung umweltschonender fortschrittlicher Erneuerbarer Energien.
 
Earth Day Press: Der jüngste Klimabericht des UN Klimarates (IPCC) sorgt für Aufsehen und Betroffenheit bei den Menschen. Welche Lösungswege propagiert Earth Day um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden?
Dannenmann: Zunächst- jeder kann was tun! Beispiele gibt es genug, Das fängt bei kleinen Änderungen im eigenen Haushalt an. Im Kindergarten und in der Schule müssen umweltrelevante Themen in allen Fächern integriert werden. Dafür machen wir Schulaktionen und rufen zu beispielhaften Aktionen mit Preisausschreiben bundesweit auf. Wir propagieren zum Beispiel den Boykott vom Kauf herkömmlicher Glühbirnen.
Der komplette Ersatz durch Energiesparlampen würde in Deutschland den Bau von zwanzig milliardenschweren Kohlekraftwerke hinfällig machen. Da sind wir bereits beim Kern, denn der Energiesektor ist der größte Produzent des klimaschädlichen CO2. Wir brauchen eine neue "Denkschule" die so rasch wie möglich den Weg zu sauberen Erneuerbaren Energien auf allen Sektoren ermöglicht ...
 
Earth Day Press: "Neue Denkschule für die Alternative Erneuerbare Energien", was meinen Sie damit und wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Dannenmann: So rasch wie möglich müssen die Wissensdefizite in Bezug auf die Erneuerbaren Energien in allen Bereichen wie Agrar-, Natur-, Technikwissenschaften und Architektur, in den Wirtschaftswissenschaften, Forschung und der allgemeinen beruflichen Bildung überwunden werden. Hinzu müssen Schulungen von lokalem Handwerk und Handel kommen. Dies muss wegen der Dringlichkeit fort- und weiterbildend auch durch Fernstudien und digitale Lehrmaterialien jetzt ermöglicht werden. Wir müssen weg von einem veralteten eindimensionalen Energiedenken. Es ist höchst fahrlässig unsere gesellschaftliche Grundversorgung internationalen krisen-geschüttelten Märkten und Konzernen anzuvertrauen. Die Energiebereitstellung der Gesellschaft muss ihren zahllosen dafür aktivierbaren Trägern überantwortet werden. Das ist die Chance für eine flächendeckende Energieversorgung durch die Erneuerbaren Energien. Viele kommunale Energieunternehmen blühen auf, wenn wir auf Erneuerbare Energien in dezentraler Energieversorgung umstellen.
Earth Day Press: Ohne Kohlekraftwerke und Atomenergie sei die weltweit rasant ansteigende Nachfrage an Energie nicht zu sichern, wird behauptet. Welchen politischen und wirtschaftlichen Handlungsmut brauchen wir um den Einsatz klimaneutraler Erneuerbarer Energien zu beschleunigen?
Dannenmann: Zunächst ist ein generelles Planungsprivileg für die Erneuerbaren Energien im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung notwendig, das mit neuen Formen von Eigentum an den Energieanlagen der jeweiligen örtlichen Bevölkerung einhergeht. Dann muss rasch das generelle Verbot fallen, dass auf landschaftlichen Freiflächen keine Anlagen aufgestellt werden dürfen. Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse, Geothermie sind im Aufwind und entwickeln zur Zeit immer neue, effizientere und preiswerte Technologien. Es ist ein Prozess der Selbstbeschleunigung. Schon sprechen wir von riesigen Windparks auf Freiflächen, die Leistungen eines Atomkraftwerks erreichen können.
 
Earth Day Press: Können sich Bauherren schon heute auf eine Zukunft mit Erneuerbaren Energien einstellen und was sollten sie dabei bei der Planung berücksichtigen?
Dannenmann: Ja, die Chance für kleine und mittlere Investoren ist der Solarstrom aus neuinstallierten kleinen Dachanlagen. In wenigen Jahren wird Solarstrom vom eigenen Dach günstiger sein als Konzernstrom für den Haushalt. Städte wie Marburg fordern von ihren Bürgern bereits jetzt eine Solaranlage auf jedes Dach! Die Technologie ist in vollem Gange und wird immer interessanter- insbesondere was die Einspeisung des individuell erzeugten Solarstroms ins allgemeine Stromnetz betrifft. Bei Neubau oder Modernisierung wird also nicht nur Energie eingespart sondern gewonnen. Das ist "Neues Denken"!
 
Earth Day Press: Welche wirtschaftlichen Chancen kann eine Hinwendung zu den Erneuerbaren Energien für kleine und mittlere Betriebe auch in Strukturschwachen Regionen bieten?
Dannenmann: Für die flächen deckende Energieversorgung mit den Erneuerbaren Energien muss es das Ziel sein die breite Verfügbarkeit und Vielseitigkeit maximal zu fördern. Deutschland hat sich ehrgeizige Ziele hier gesetzt. Investoren können dabei bereits schon von der staatlich garantierten Einspeisevergütung profitieren. Da lohnt es sich jetzt auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Für Landwirte ist das Thema Biomasse aktuell. Das Wissen hierfür kann schnell gelernt werden. Für das Handwerk und den Handel sind neben Energiesparmaßnahmen natürlich die neuen Technologien reizvoll. Die politische Dezentralisierung und die Stimulierung einzelner Investitionen auch kleinerer Unternehmer- neben staatlichen Großplanungen hat längst begonnen. Gerade in strukturschwachen Gebieten können sich Projekte Erneuerbarer Energien schnell ausbreiten, da die Anlagen ohne großen Aufwand in kurzer Montagezeit erstellt werden.
 
Earth Day Press: Sie werden jetzt mit dieser Forderung auch an Kindergärten, Grundschulen, in Jugendgruppen aktiv, welche Projekte stehen da im Vordergrund?
Dannenmann: Umweltbildung muss von Kindheit an gelernt werden sagen wir. Umso wichtiger ist die Vermittlung einfachster Kenntnisse zu einer ökologischen Selbstorganisation einer zukunftsfähigen Stadt, Wohnsiedlung, Wohngemeinschaft, Wohnstruktur. Unter dem Motto: Neues Denken mit Sonne Wind und "Mehr" sollen Kinder und Jugendliche spielerisch, mit Spannung und Spaß kennen lernen wie Erneuerbare Energien gemeinschaftlich geplant und dann eingesetzt werden. Die Verantwortung für den eigenen Energieverbrauch wird gelernt. Das Wissen wird weitergegeben.
 
Earth Day Press: Wie sieht ein solches Projekt aus?
Dannenmann:

Wir sprechen von fünf Projektphasen.

  1. Zunächst wird anhand eines standardisierten Earth Day Quiz das Wissen über Erneuerbare Energien gemeinsam gelernt. Dazu wird auch im Internet gesurft.

  2. In der zweiten Phase wird das persönliche lokale Umfeld analysiert. Welche Energiesysteme bestehen, gibt es bereits erste Strukturen für Erneuerbare Energien. Welche sind das und wie funktionieren diese. Hierzu sind Exkursionen in der Wohnumgegend vorausgesetzt. Die zweite Phase muss detailliert dokumentiert und beschrieben werden. Das können Fotos, Aufsätze oder Malwettbewerbe sein.

  3. In der dritten Phase werden Modelle erstellt, welche Alternativen für die neuen Energien vor Ort zur Verfügung stehen könnten. Hierzu befragen die "jungen Ökoenergieexperten" vor Ort Architekten, Handwerker, Hersteller, Gemeindeämter.

  4. Die vierte Phase dokumentiert die Antworten und Ergebnisse möglichst auf CD.

  5. In der fünften Phase erstellen die jungen "Experten" ihr eigenes Modell einer dezentralen effizienten Energieversorgung eines Hauses, Wohn- oder Schul- oder Geschäfthauskomplex, Stadtviertel.

Die einzelnen Projekte nehmen an einem Wettbewerb teil, der bis zum Earth Day 2010 am 22. April 2010 stattfinden wird. Am Earth Day 2010 werden die Projekte lokal der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine fachkundige Jury bewertet die Projekte.

Der Earth Day am 22. April
Earth Day - 22. April
Who says you can't change the world?

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